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Der Siebenjährige Krieg

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Eine weit schlimmere Zeit war für die Menschen im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) zu überstehen. Aus der Schule kennen wir alle die Geschichte, wie der Alte Fritz mit Maria Theresia von Österreich um Schlesien kämpft. Aber diese Jahre hatten auch verheerende Auswirkungen in der Paderborner Gegend. Frankreich mischte sich in den Krieg ein, weil es gegen England wegen des Verlustes von Kanada noch erheblichen Groll hegte. Dieser war so groß, dass selbst ein Bündnis mit den Österreichern eingegangen wurde. Damit standen französische Truppen gegen Preußen und deren Verbündete Hannover. Das Territorium des Königtums Hannover war vor allem französisches Ziel. Fürstbischof Clemens August von Paderborn hielt eigentlich zu den Franzosen, wurde aber durch englische Gelder dazu gebracht, diesen den Durchzug durch sein Land zu verweigern. Die ersten Siege der Franzosen ließ der Fürstbischof wiederum öffentlich feiern. Das führte in der Folge dann auch zu Drangsalierungen des ganzen Landes durch die preußischen Verbündeten.
1757 dringen preußische Alliierte in Paderborn ein und besetzen die Stadt, später sind es die Franzosen, die von der Stadt Besitz ergreifen. So wechseln sich in der Folgezeit beide Lager mehrfach ab. 1759 zieht der französische Marschall Contades mit 80.000 Soldaten am letzten Heller vorbei nach Paderborn und weiter nach Minden. Nachdem er dort eine entscheidende Schlacht verliert, zieht er mit seinem Heer abermals durch diese Gegend, diesmal aber auf dem Rückzug. Und man darf sich das nicht so vorstellen, dass die Soldaten in Zweierreihe stracks die Straßen lang hindurchmarschierten, nein, eine gewaltige Infrastruktur für die Versorgung musste aus dem Boden gestampft werden. Es wurden Ofensteine eingezogen, um Feldbäckereien aufzubauen. 80.000 Soldaten bekamen 80.000 Pfund Roggenbrot am Tag. Das Getreide wurde aus den umliegenden Dörfern und Städten entnommen. Dazu mussten die Pferde versorgt werden, Holz musste von den Bauern geschlagen werden, Pferdewagen wurden zu Fuhrdiensten herangezogen, Schanzarbeiten wurden von den Einheimischen geleistet und die Soldaten wurden in Haus und Stall einquartiert. Zusätzlich gab es immer wieder Scharmützel und kleiner Gefechte, denn die jeweilige Gegenseite verließ das Gebiet nicht immer kampflos.
Was die Bevölkerung in dieser Zeit zu erleiden hatte, lässt sich aus einem einmaligen uns überlieferten Dokument ersehen, dem Tagebuch des Friedrich Suren, Vicegograf im Gograviat Salzkotten. Sorgfältig und gewissenhaft hat Friedrich Suren alle Anweisungen und Befehle aufgezeichnet, die die Dienste und Kontributionen der Salzkottener Bevölkerung betrafen. Das erdrückende Ausmass der Belastungen wird hierdurch deutlich.
Ein wenig ahnen kann man von dem Leid der Bevölkerung, wenn man die Briefe des französischen Kriegsministers Louis-Charles-Auguste Fouquet, Herzog von Gisors, genannt von Belle-Isle an den Heerführer Louis Georges Erasme, marquis de Contades liest. Dort heißt es: “Ich weiß keine andre Quelle für unsre dringenden Bedürfnisse, als das Geld, was wir aus den feindlichen Ländern ziehn. Diese müssen uns auch außer dem Gelde alles, was nur zum Unterhalt gehört, verschaffen: Heu, Stroh, Hafer, Brot, Korn, Vieh, Pferde, ja sogar Menschen, um unsere ausländischen Regimenter zu rekrutieren. Bis Ende des Septembers (1758) wird es nötig sein, eine gänzliche Wüste aus allen Gegenden zu machen, die vor der Fronte des Kordons liegen, den wir im Winter ziehn wollen, damit es dem Feinde ganz unmöglich ist, sich uns zu nähern.” Und später schreibt Belle-Isle: “Sie, mein Herr, müssen ganz Westfalen in eine Wüste verwandeln und in den Ländern an der Lippe und in Paderborn, als den fruchtbarsten Provinzen, muß alles bis auf die Wurzeln in der Erde ausgerottet werden.” (Zit. Nach Archenholtz, Die Geschichte des siebenjährigen Krieges, Reklam, Leipzig 1904).
Bereits 1758 war im Warburger Land kein Brotkorn mehr zu kaufen. Im Paderborner Land wird es nicht besser gewesen sein. Lebensmittel mussten von weit her geholt werden, die Preise stiegen so, dass nur die Begüterten sich diese leisten konnten. Der Großteil der Bevölkerung hungerte.
Die Kriegskosten belaufen sich für das gesamte Fürstbistum Paderborn auf fast siebeneinhalb Millionen Taler. Und das bei einem Steueraufkommen von 60.000 Talern. Die Region ist völlig ausgeblutet. Manche Historiker meinen, diese sieben Jahre des Krieges hätten unsere Gegend mehr geschädigt als der Dreißigjährige Krieg.


 

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